===== Tag 2 ===== Da ich am Tag zuvor schon in völligem Übereifer über Mitternacht hinaus geschrieben habe geht es nahtlos weiter. A. und M. (ab jetzt MA) liessen uns irgendwann stehen und wir fuhren zu zweit in den Sonnenaufgang. Wobei das Spielchen den ganzen Tag so ging. Die beiden machten immer lange Pausen und dementsprechend sahen wir sie regelmäßig wieder. Der Morgen war etwas blöd. Erst war ich am Wegknicken und brauchte Pause, Frühstück und kaltes Wasser im Gesicht, später war dann T. am wegknicken und brauchte Pause und Kaffee. War zum Glück alles kein Problem, weil die Bäcker und kleinen Läden alle schon um 5 oder 6 Uhr aufmachten und es für Wasser immer mal so Pumpen gab, vertrödelte aber endlos viel Zeit. Einw halbe Stunde Pause, die an so einem Einkaufsladen ja schnell zusammenkommen sind halt auch schon wieder 12km, die man gerade nicht gefahren ist. Irgendwann fanden wir aber wieder sowas wie Tritt und was war auch ganz gut so, denn gegen Mittag wurde es noch einmal ordentlich hügelig. Mein Hauptfeind war mittlerweile mein Hintern geworden. Ich fahre so lange Strecken immer mit einer ordentlichen Portion Fett zwischen mir und Sitzpolster und meist klappt das ganz leidlich. Nur dieses Jahr hatte ich zum einen sowieso nicht viele Kilometer unterm Hinten, der 600er war noch gar nicht richtig verheilt und auf den Touren von Elsfleth nach Veszprem nicht besser gewurden und zum anderen Funktionierte die Geschichte mit dem Fett nicht, weil sich das bei den Ungarischen Temperaturen verknuselte. Doof. Oder besser: Schmerzhaft. Konnte ich aber nicht viel dagegen tun, eher gar nichts, es musste also irgendwie gehen. Mittag war mittlerweile vorbei und unsere 600km oder so, Kontrollstation war irgendein historisches Dorf. Sah nicht weltbewegend aus, machte die Ecke aber irgendwie zur Attraktion weshalb es dort brauchbare Gasthöfe gab. Und das war gut für und, denn T. und ich waren uns ziemlich einig, dass wir unsere erste richtig, richtige Essenspause einlegen sollten. {{:reiseblog:2013_tour_de_transdanubie:hdg.jpg|}}\\ //Gut gelaunt bei Kilometer 715// Für mich gab es sowas halbwegs ungarisches - Fleisch mit Pilzen und Käse überbacken und dazu Pommes und Reis. Die nette Bedienung hat auch nur kurz gezuckt als ich zwei Beilagen aufzählte. Und Salat hatte ich noch, wenn schon für nicht anderes als die Illusion einer Aufrechterhaltung von sowas wie einem vernünftigen Vitamin- und Mineralienhaushalt. Dann ging es freudig weiter mit Radfahren, wieder hügelte es sich langsam flacher werdend in Richtung Norden. Das ging aber nur eine Weile gut, irgendwie war T. dann nicht mehr so richtig fit und konnte mein Tempo nicht mehr mitfahren. Was natürlich doof war, gemeinsam fahren ist zwar gemeinhin besser, aber es waren halt auch noch ein paar km zu fahren, die ich nicht unnötig trödeln wollte. Das war T. letzlich auch klar und nach ein paar Versuchen ein gemeinsames Tempo zu finden verblieben wir mit der groben Idee uns an der nächsten Kontrolle wieder zu treffen und dann etwas zum Übernachten anzupeilen. Die nächste Kontrolle war dann sinnigerweise eine Pizzeria, also gab es für mich Salat, Pizza und alkoholfreies Pilsener. Das war, mal wieder, sehr lecker und danach fühlte ich mich eigentlich zu frisch zum nicht-weiterfahren. Dazu kam, dass ich dort MA mal wieder antraf und M ganz heiss darauf war mich für die Gruppe zu gewinnen. Das hab ich zuerst gar nicht ganz kapiert da seine Fähigkeiten in Englisch doch eher gering waren. Erst als die beiden auf mich gewartet haben wurde mir klar worum es geht. Ums Radfahren ging es und da T. auch in meiner ausgedehnten Pizzapause nicht auftauchte bin ich mit den Beiden losgeradelt. Ziemlich schnell wurde klar, dass das nichts wird, denn meine Italienischen Kreiselkollegen schlugen mit etwas über dreissig in der Ebene ein Tempo an, dass für mich zu dieser Zeit nicht mehr richtig angenehm war. Abgesehen davon ging es gut voran, auch A. fuhr mittlerweile gelegentlich vorn, wir konnten und also gut abwechseln und km fahren. Mit Blick auf die verbleibende Strecke war mir dass dann aber auf Dauer zu ungemütlich, also ließ ich mich nach 10-15km zurückfallen und fuhr mein eigenes Tempo weiter. Eine Entscheidung, die auch dadurch begünstigt wurde, dass der zum Abend ohnehin abschwächende Wind mittlerweile achterlich kam und der Effekt des Windschattens auch nicht mehr so enorm. Generell waren wir den ganzen Tag von Wind halbwegs verschont geblieben da er an diesem Mittelgebirge vor allem vorbeipustete. Die einzige ordentlich Windige Ecke war dann als es noch Richtung Nordwesten aus den steileren Hügeln heraus ging und bevor wir nach Osten abbogen. Das waren sinnigerweise die letzten 20/30km vor der Pizzeria also gerade da wo ich alleine gefahren bin. Seis drum, war ich ja jetzt wieder und fuhr da halt so vor mich hin. Die Gegend war halbwegs Abwechsungsreich, Wälder, Dörfer, Hügel, Kirchen.. das Übliche ebend. Es wurde mittlerweile aber auch dunkel und damit lag mein Hauptaugenmerk gezwungenermaßen auf der Straße. Über die ich ja auch noch schreiben muss. Also: Die Strassen in Ungarn waren im durchschnitt eher schlecht, da gibts nix schön zu reden. Aber sie waren auch nicht unbefahrbar und auf der Strecke gab es nur wenige richtig eklige Stellen. Was es aber immer und jederzeit, auch auf eigentlich guten Asphaltstrecken, geben konnte waren total abgefahrene Riesenlöcher. Man durfte also eigentlich nie die Straße ausser acht lassen, schon gar nicht nachts. Also hielt ich die Augen offen und radelte weiter. Die Strecke zur nächsten Kontrolle hatte nur 75km, so viel war das also nach Einbruch der Dunkelheit gar nicht mehr. Eine Schrecksekunde hatte das ganze trotzdem zu bieten, denn ich hätte beinahe ein Reh überfahren. Oder wäre in Ermangelung überlegener Kräfteverhältnisse von einem Reh abgeprallt. Ich weiß nicht wer da wie aus der Aktion rausgekommen wäre, denn zum Glück hatte ich meine Hände halbwegs in Bremsnähe und konne schlimmeres verhindern. Die letzte Kontrolle des Tages war dann ein zur Bar ausgebauter Bauernhof und gleichzeitig der zeite Bag-drop an dem unsere Täschchen auf uns warteten. Wobei ich daraus gar nicht viel brauchte. Ein langes Unterhemd, für den wagen Fall, dass ich doch keine richtige Übernachtungsmöglichkeit finde, ein paar Energieriegel (wenn ich nur dran denke wird mir schon wieder schlecht), Fett und mein zweites Lunchpacket aus zwei Brötchen, Paprikasalami, zwei Tomaten und zwei Bananen. Der Wirt war noch nicht ganz auf uns eingestellt machte das aber durch guten Willen wett. Weil ich eine Gelegenheit zum Essen ja schon generell kaum ablehnen kann und nach 915km Radfahren gleich gar nicht orderte ich was zu essen. Der Wirt hätte Informatiker werden können, denn aus meinem Sandwich oder Strudel / istmireigentlich egal schlussfolgerte er eiskalt, dass ich dann ja wohl auf gleich beides nehmen kann. Oder er hat mich einfach nicht verstanden, jedenfalls hatte ich jetzt zwei dicke Stücken Weißbrot mit Schmalz und Gurkenscheiben sowie jeweils zwei Stück Apfel- und Kirschstrudel. Schmalz esse ich eigentlich gar nicht, aber so richtig aufgefallen ist mir das erst in der Mitte der zweiten Stulle. Und der Strudel wäre glaube auch unter normalen Bedingungen lecker gewesen, sowas backen die ja öfters in Ungarn. Somit war ich dann also voll gegessen und voll beladen und konnte weiter radeln. MA waren da natürlich auch, aber es war nicht ganz absehbar wann A. wieder fahrbereit sein würde. Da war ich aber auch nicht böse drüber, denn so konnte ich mich ohne schlechtes Gewissen und dem Spruch "ihr holt mich ja sowieso wieder ein" zu M verabschieden. Am Ende des Tages wurde es noch einmal spannend. Es war mittlerweile irgendetwas um 10 Uhr und ich war wieder halbwegs auf Kurs meines originalen Planes in einem Hotel bei ca 940km zu nächtigen. Das lag in Györ, einer der größeren Städte Ungarns, hatte eine 24h Rezeption und war im Prinzip die beste, wenn nicht einzig verbliebene Möglichkeit für eine Übernachtung. Dort war noch ordentlich was los und ich fand es gut dort nicht bei Tageszeitverkehr gelandet zu sein. Während ich dann in der Innenstadt um irgendwelche Gruppen besoffener herumradelte unternahm ich auch einen halbherzigen Versuch das Hotel zu finden, aber ich fühlte mich immer noch ganz gut nach radfahren, wollte da nicht weiter rumhängen und hab daher zugesehen, dass ich aus der Stadt wieder raus komme.