====== Tag 1 ====== 04.09.2012 Ich bin an Bord angekommen, hab alle Kennengelernt, bla, bla und so weiter. ====== Tag 3 ====== 06.09.2012 Meine aktuellen Gedanken gehen alle in Richtung.. What a big Junkshow. Die Polen verstehen die Leute aus Myanmar nicht. Die Leute aus Myanmar verstehen ganz allgemein nicht so richtig viel. Wirklich arbeiten will am liebsten keiner. Auf der Brücke ist es verpöhnt Radarziele anzutracken. Und wenn es doch jemand macht werden sie so schnell wie möglich wieder gestrichen. Ich hab gedacht ich bin im falschen Film. Ähnlich war es heute Nachmittag bei meiner ersten "Arbeit" mit dem Bootsmann. Von vier Stunden haben wir vielleicht eine Stunde effektiv etwas gemacht. Und zwar Autodecks kontrolliert. Aber nicht kontrolliert, kontrolliert. Damit hätte man die vier Stunden ja locker füllen können. Nein, mehr so grob drübergeguggt und zwischendurch halt auch einfach mal rumgesessen. Wobei das mit dem kontrollieren auch etwas lustig ist, wenn da die Autos wie in einem Bulki geladen sind und sich nur noch als Masse bewegen können. Lustiges Hobby: über Autos klettern. Und wenn wir wirklich über Müll drübergestolpert sind haben wir ihn sogar weggeräumt. Und zwar in die Autos rein, wohin auch sonst. Die Logistik dahinter würde mich derweil sogar interessieren. Teilweise ist da irgendwelches Zeug in den Autos, also gehe ich mal davon aus, dass sich die jemand transportieren lässt. Trifft das dann auch alle zu? Oder kaufen die auch Schrottautos von der Stange (bezahlt pro Tonne). Die Reederei ist ebenfalls ein bischen witzig. Nicht nur haben die es nicht geschafft ein Seefahrtsbuch für mich zu besorgen, sie haben auch nichtmal den Antrag dafür an das Schiff gegeben, damit es zumindest irgendwas gibt. Wat ne Nasen. Meinen Vertrag wollte der Kapitän auch von mir haben, reden die nicht miteinander? ====== Tag 04 ====== 07.09.2012 Für mich wird sich das hier wohl erholsamer als meine Urlaube. Ich hab vier Stunden Nachtwache. Im Moment 0-4 aber der Erste will das auch durchwechseln. Und dann noch vier Stunden Arbeiten am Nachmittag, 13-17Uhr. Samstag und Sonntag Selbststudium, wobei Samstag nachmittag üblicherweise die Drills sind. Hafen wird dagegen anstrengend, da haben wir 6on-6off. Und gerade Westafrika, heidewitzka, was es da auf der Brücke so zu lesen gibt erzähl ich lieber nicht weiter. Ich hab auch überlegt, dass ich ja sowas wie ein Tagebuch schreiben und bei mir auf die Seite stellen könnte. Wäre sicher ganz lehrreich. Aber irgendwie geht das ja doch nicht, ich muss ja noch dieses großangelegte Märchen namens Praxissemesterbericht und den ganzen Kram abgeben. Und da hab ich heute 8 Stunden lang Laschings überprüft und Öllachen aufgewischt. Und morgen wieder. HAB ICH NATÜRLICH AUCH! Heute will ich dann auch mal Sport machen. Auch wenn so die überdolle Motivation nicht da ist. Aber naja, da muss ich wohl durch. Nachtwache ist halt auch immer doof, auch wenn ich genug schlaf habe. Und mein Englisch wird ganzschön leiden. Artikel sag ich schon gar nicht mehr. So, Sport hab ich gemacht. Wobei der Hobbyraum nicht so der Bringer ist. So ne Multi-Station die fast auseinanderfällt. N 'olles Trainingsrad, das fast auseinanderfällt.. ein Stepper, der fast auseinanderfällt, und ein paar unsortierte Hanteln, die wenigstens nicht auseinanderfallen. Naja, ausser zwei vielleicht, die sehen etwas lawede aus. Egal, nicht das ich damit nicht gerechnet hätte. Was ich auch noch nicht im Griff habe ist der Heißhunger den ich Abends immer bekomme. Wenn das so weitergeht (Schokolade vorgestern, Pringels gestern) rolle ich dann doch nach Hause. Wobei das glaube nicht so schlau ist, die Preise im Captains Store sind etwas strange.. Wasser kostet fast nichts, dass ist gut, aber der Rest ist nicht so richtig günstig. Hilft vermutlich auch nicht, dass ich kein Frühstück habe. Aber das würde halt einfach nicht reinpassen. Also in mich schon, in meinen Schlaf-Plan nicht. ====== Tag 05 ====== 08.09.2012 So, heute (Samstag) war mein erster Drill. Also gedrillt wurde keiner und ich schon gleich gar nicht, eine Übung halt. Es wusste auch jeder bescheid, dass die Übung stattfindet und alle saßen schon im Blau-, Weiß- oder Orangemann bereit. Wir waren im Rettungsboot, haben ein Feuer gelöscht und waren in der Zitadelle. Fun fact, nach dem Feuer hat der Erste den falschen JaM als Bosun angesprochen.. ich bin also nicht der einzige. Wobei ich die, von denen ich weiss wer wer ist halbwegs auseinanderhalten kann, nur weiß ich gar nicht bei allen wer die sind und ob mich das interessiert. Huii, den Satz lese ich lieber nicht nochmal. An sich ganz lustig. Ist halt auch keine Raketenwissenschaft was wir hier machen. Achja, am Anfang hat der Erste alle abgefragt was sie bei welchem Alarm machen müssen. Da war ich gar nicht drauf vorbereitet. Den entsprechenden Zettel hatte ich auf der Brücke aber mal überflogen und wusste daher grob was ich zu tun habe. Nicht viel, definitiv. Immer noch Samstag. Wie ich in die Messe kam hat sich der Koch erstmal entschuldigt, dass er das Samstag Essen auf Anweisung des Ersten macht. Jetzt weiß ich auch warum. Das war irgendeine Magenstückchen-Suppe und herjeh, das ging ja gar nicht. Der Zweite ist gleich wieder abgezogen, der kannte das Gericht wohl schon. Aber naja, auch auf sowas war ich ja geistig vorbereitet. Der Cpt hat auch irgendwie angeordnet, dass es nur noch Mittags frischen Salat gibt und Abends ich schätze mal Dosengemüse. Wobei ich da so richtig auch nicht durchsehe, denn die JaMs essen irgendwie immer ihr eigenes Zeug. Und ich und die Polen bekommen was anderes. Muss mal sehen ob man da auch mal das Grüppchen wechseln kann, die essen halt immer Reis mit so Zeug. Und scheinbar ist das Brot erstmal alle, jedenfalls hat mich der Koch, ne isserjagarnicht, der Smut mit Chinanudeln für die Nachtwachen ausgestattet. Und wir wechseln die Nacht auf +1. Yay, fünf Stunden Wache. ====== Tag 06 ====== 09.09.2012 Brot doch nicht alle, die Nudeln sind also wohl ein Bonus. Mein Mittelwächter besteht also weiterhin aus Labberbrot mit Käse aus der Mikrowelle. Da kann man zwei scheiben Brot mit Käse in zwei Bissen wegatmen, wenn man will. Die Nudeln dauern eine ganze Ecke länger. Naja, Schlafmangel hab ich nicht, bisher habe ich meist 0900-2335 und 0430 - ca 9 geschlafen. Das werd ich glaube auch so ungefähr beibehalten. ====== Tag 07 ====== 10.09.2012 Die besten Ideen für was ich hier reinschreiben soll habe ich immer nachts, aber da schreibt die ja keiner auf. Doof. Ich könnte z.B. so etwas wie diesen Text ins Internet stellen. Als halbwegs humorvollen Erfahrungsbericht. Und ich könnte mal anfangen BWL zu lernen. Aber irgendwie ist es halt auch verlockend einfach nur an meinem Laptop rumzudillern. Da könnte ich mich dran gewöhnen. Prinzipiell würde ich auch gerne was sinnvolles tun, programmieren oder irgendsoeinen Kram. Aber ohne Internet.. ich glaub das geht gar nicht, das wäre ja wie im finstersten Mittelalter. Nachschlagewerke hab ich ja auch nicht mitgenommen, die waren mir zu schwer. Das Matlab Buch hätte ich mal mitnehmen sollen, so dick war das ja nicht.. Naja, hinterher ist man immer schlauer. Ich hab eine Idee für meine Bachelorarbeit. Ich könnte berechnen was Segelfrachter so prinzipiell drauf hätten. Aber das wäre ganz schöner Wahnsinn. Ich müsste ja erstmal ein Modell erstellen was das Schiff so für eine Kraft aufwenden muss um durchs Wasser zu kommen und dann ein Modell für verschiedene Segel aufstellen und berechnen. Irgendwer hat das bestimmt schonmal gemacht, aber so im Lehrbuch wird man das vielleicht nicht gerade finden. Ich hab auf meinem Laptop sogar ein ebook über fluid dynamics gefunden. Das hat gerade mal 766 Seiten... und könnte vielleicht doch eine Nummer zu heftig sein. Zurück zum Schiff. Wir sind dazu übergegangen, dass ich die Safety Rounds tatsächlich mache und Patrick (der Zweite) sie nicht nur ins Tagebuch schreibt. Das vereinfacht die Wache beträchtlich. Eine halbe Stunde bekommt man mindestens rum, eher sogar 45 Minuten wenn man auf alles mal einen Blick wirft und sich ein oder zwei Ladungsdecks anguggt (es sind eh nur drei oder vier begehbar, der Rest wäre pures Autoklettern). Arbeiten durfte ich auch schon. Und zwar mein Waschbecken auseinandernehmen. Da hatte jemand einen Flaschendeckel reinfallen lassen und mir ist das natürlich aufgefallen und ich wollte nicht dass das Ding noch weiterwandert. Bis auf die Tatsache, dass der Abfluss nicht mehr 100%ig dicht ist hat das auch geklappt. Mal sehen wo ich irgendwas zum abdichten herbekomme, ob die JaMs verstehen was ich da will ist fraglich. Mein Fenster ist auch nicht ganz dicht, was dazu geführt hat das es mir heute erstmal der Fensterstock geflutet wurde als jemand draussen alles abgewassert hat. Watn Spass. Ich glaube manchmal schreibe ich hier auch ziemlich unsortierten Stuss. Aber irgendwie muss ich es ja loswerden. Erzählen kann ich es keinem. Wobei ich z.B. mit dem Zweiten schon halbwegs eine Konversation betreiben kann. Aber der ist noch schweigsamer als ich, kann man sich also ungefähr vostellen wie das aussieht. Der Dritte z.B. spricht nur sehr rudimentär Englisch, aber das kann auch täuschen. Wie für dritte scheinbar üblich weiß ich noch nicht was ich mit ihm anfangen soll. Er trackt gelegentlich mal Radarziele an, vielleicht sollte ihn das sympatisch machen. Beim zweiten ist das ja, wie gesagt, völlig verpöhnt. Najut, es ist fasst um eins und mein Arbeitstag beginnt. Mal schauen was es schönes zu tun gibt (oder nicht). Deck Schrubben. Gute Arbeit, hat man wenigstens was zu tun und sieht was passiert. Nur Wasser gibts irgendwie kaum, ein Pseudi-Kärcher und einen mehr tropfen- als fließenden Wasserschlauch. Heiß ist es, Sonnencreme ab jetzt wahrscheinlich eine gute Idee und eine Mütze auch. In der Trinkpause hab ich das erste mal seit meiner Kindheit wieder Kakao getrunken. Hab ich nie gemocht das Zeug, aber hier schmeckt er ganz lecker. Und süß. Da muss ich wohl aufpassen, das ich nicht süchtig werde. Trinkt sich nämlich viel einfacher weg als Tee, weil er nicht so heiß ist. Der Tee (bzw. das heiße Wasser, die China-Nudeln kommen da auch her) kommt aus so einem automatischen Wasserkocher und ist immer brühend heiß. In der Nacht hatte ich mal wieder Handbücher gelesen, diesmal vom Autopiloten. Der wird über einen Sagenumobenen Karman-Filter gesteuert und ist damit ganz Spritsparend. Wobei die Südkoreaner bestimmt einen Kalman-Filter meinen, ich hoffe die haben nur den Namen verbaselt und nicht den ganzen Rest auch :-). ====== Tag 8 ====== 11.09.2012 Nochmal Logistik. Gestern haben wir eine email gekommen, dass zwei Autos für das falsche Ziel markiert wurden (wir fahren nach Freeetown, Lome, Cirgendwas und Lagos). Also sind die JaMs losgezogen und haben die beiden Autos gesucht. Wasn Wahnsinn. Bei der letzten Reise waren es wohl Acht. Wenn man sich allein den Schaden überlegt, der Entsteht wenn die da jetzt überall drüberklettern.. Whatever. Die Nacht war ganz lustig, zwei Runden durchs Schiff und dazwischen habe ich Elektronische Seekarten katalogisiert. Eine Art Ewigaufgabe, weil die Liste der Karten die wir an Bord haben viel zu klein ist und man die Liste der Karten die wir haben nicht einfach aus der ECDIS ausdrucken kann sondern abschreiben muss. Ansonsten bin ich mal wieder gespannt was es heute zu arbeiten gibt und ob das zweite Auto gefunden wurde. Dabei muss ich nebenbei mal noch meine Schuhe Kleben. Die Solen meiner Kampfstiefel haben scheinbar wasauchimmerwirgesternzumdeckputzengenommenhaben, Waschmittel vermutlich, nicht vertragen. Was ich auch irgendwie geahnt habe, aber nur am Rand rumputzen wollte ich auch nicht. Also werde ich mal schauen was sich retten lässt, Arbeitschuhe gibt es in meiner Größe nämlich nicht. Gestern kam ich mit Sao Pai auf das Thema Geld, das besprechen die Jungs scheinbar ganz gerne. Er verdient irgendwie 1600USD im Monat, der Dritte 2300€ und der Zweite 2700€. So. War ja klar. Das eine mal wo ich mich Mittags zum Sport aufraffen kann tun wir danach Rostklopfen (Chipping). Zu meinem Glück hat mir AB/1 den Nagler zugeschanzt, sonst wär das anstrengend geworden. Er hat mich auch gleich zum Thema Geld gequizzt. Wat ne Nasen. Aber nett sind die alle. Der Steward ist ein bischen komisch, aber das gehört vielleicht zum Job, so schrecklich viel verdienen wird der auch nicht. Zum Essen gabs Kroketten und Steak. Da hat sich der Koch richtig Mühe gegeben aus dem billigen Schwein was zu machen. Das ist echt n' guter, ich hoffe die Polen spielen den nicht kaputt. Die sind irgendwie schwer zufrieden zu stellen. Bestes Beispiel war der Schiffchef persönlich. Da hat sich der Koch hingestellt und für die ganzen Europäer Ravioli/Pelmini/Nudeltaschen zu machen und er hat nicht besseres zu tun als ihm zu erzählen, dass er doch die Füllung anders machen soll. Way to go! Aber auch wenn das alles bisweilen einen armen Eindruck macht es gibt schon halbwegs was. Krackers tauchen immer mal neue auf, Bananen gibt es auch alle paar Tage mal. Und das dunkle Brot hat bisher auch durchgehalten. Beim Käse siehts langsam dünn aus, ich hoffe da kommt neuer aus dem Tiefkühlfach. Najut, wieder raus in die Hitze und weiter gehts. Und ja - Afrika ist warm. Ich hab ein T-Shirt vor, und eins nach der Pause vollgeschwitzt. Ich hätte auch nicht gedacht, dass wir fertig werden mit allem was wir da freigelegt hatten, aber da wurde dann nicht rumgehühnert. Während Ab/1 Tet Toe die Farbe geholt hat - die Farblast ist in Deck 5 vorn, der Fahrstuhl achtern, das dauerte also ein Weilchen - hab ich den Dreck weggepustet und gekehrt und danach kam auf jede Stelle ein großer Klecks Primer druff. Fertig wars. Aus der Farblast kam dann auch mein Klebstoff mit. Das war dann zwar schon etwas spät, weil für das Zeug muss man sich eigentlich Zeit lassen und der Bootsmann wurde zunehmend nervös wie es auf den Dienstschluss zuging, aber ich hoffe es hält erstmal ein Stück. Als er den (vorher) Nagelneuen Pinsel, statt ihn in Lösungsmittel zu stellen, zum Fettumrührpinsel deklarierte hätte ich fast geweint. Die sind schon bisweilen lustig die Jungs. - Der Strich wird jetzt eineführt um Schreibpausen und damit Themensprünge zu verdeutlichen. Ich bin jetzt vollgefuttert. Sehr gut. Oder halt nicht, wie mans nimmt. Der Smut hat noch ne gerade so gute Banane hergezaubert, die habe ich draussen gegessen und gleich noch fünf Klimmzüge gemacht. Das ist aber schon gefährlich bei der Hitze da draussen. Besser drin bleiben. Heute nacht wieder fünf Stunden Wache. Yay. Ich muss jetzt mal wieder arbeiten und mal eine Tabelle aufstellen was ich so "gemacht" habe um das große Beschisslogbuch für BSH und Wand zu erstellen. Ich will das ja auch nicht hier rausklamüsern nachher. Ich glaub wir haben heute wieder Lashings kontrolliert. Obwohl der langsam alt wird. Wir haben cargo relabelt. Haben wir ja tatsächlich. Die JaMs haben auch Auto Nr. 2 gefunden. -- Grad gar nichts groß zu erzählen. Ich hab gestern, beim Eincremen, meinen Nacken vergessen und deshalb Sonnenbrand und es ist immer noch heiß wie sau. Und nochmal zum Thema qualifizierung und so. Dank der Sprachbarrieren komme ich mir manchmal ganzschön bescheuert vor. Beispiel: Stefan: I stop there, should I go on? Bosun: <Zeigt Stefan tolle Roststellen> Stefan denkt: Jaa, ich weiß wie Rost aussieht, Frage war: soll ich das ganze Oberdeck auseinandernehmen oder irgendwann aufhören? Mit Patrick würde mir da sicher auch ein Beispiel einfallen. Man hat auch heute wieder mal gut gesehen was hier so vor den Baum geht. Die JaMs sind ja nicht unbedingt unmotiviert. Grad am Anfang arbeiten die immer ganz ordentlich drauf los. Aber wenn dann erstmal die Kaffepause (um 3) vorbei ist, wird nur noch rumgepfuscht um schnell fertig zu werden. Hilft natürlich nicht, dass der Bosun der einzig richtig faule ist. Ich bin jedenfalls gespannt wie sich unsere reparierten Stellen in den nächsten sechs Monaten entwickeln. -- Maaann ist das warm hier. Also schon im Zimmer. Auf dem Gang und dann ganz draussen wird es noch schlimmer. Und der Schiffchef hat heute Bier ausgegeben, aber ich konnte den JaMs nicht entlocken wofür. Es war Bier aus den Niederlanden und hat total grausam geschmeckt. Schade eigentlich, hätte sonst gut zum Essen gepasst. Es gab irgendeinen Braten, könnte was vom Rind gewesen sein. -- Eigentlich wollte ich mal früher ins Bett gehen, aber einen hab ich noch. In der BSH/Wand-Welt soll mir der Bootsmann erklären wie Primer und Farbe undsoweiter funktionieren. Und ich soll so einen Text dazu verfassen. Die Informationen, die ich gewinnen konnte sind: erst rot, einmal, dann grün, einmal und dann kommt grau-blau. Und dazwischen trocknen lassen. Alles klar, das sollte schnell zusammengefasst sein. -- Scheisse ist das heiß. Inzwischen sind auch die Crewräume bei gefühlten 30° angekommen. Die Ings haben mit dem Leitstand den letzten gescheit klimatisierten Raum. Und mit der Maschine gleichzeitig den heißesten mit 48° oder so, hat der Engine Cadet gerade erzählt. Wird also wieder ein angenehmer Nachmittag. -- Inzwischen haben wir übrigens den 13. Und so richtig was zu sagen hab ich immer noch nicht. Ich hatte die letzen zwei Tage mal versucht ein bischen zu programmieren, aber wie ich mir das dachte ist das ohne Internet alle Mist. Zum richtig denken hab ich eigentlich auch keine Lust. ====== Tag 11 ====== 14.09.2012 Ich mach inziwschen drei safety rounds pro Wache. Die Logik dahinter ist in etwa: Der 3. der die 8-12er macht ist alleine, deshalb geht da reiner die Ronde und ich gehe deshalb eine mehr. Völlig bescheuert natürlich, aber mir solls recht sein. Ich guck mir dann immer das Schiff und die Pläne die hier rumhängen ein bischen an, so bekommt man eine Wache schon rum. Heute früh mussten wir sogar mal jemandem ausweichen. Das war das zweite mal überhaupt, dass der Zweite jemandem ausweichen musste. Das erste mal war auch auf dieser Reise, irgendwo beim Kanal. Und hinter der Radarziele nichtantrackerei steckt tatsächlich eine Logik. Und die ist garnichtmal völlig doof, nur halt ein bischen verdreht. Ein paar Sachen zur Reiseplanung kristallisieren sich auch schon heraus. Eventuell ankern wir noch vor Freetown, dann kommen wie schon bekannt Lome, Cotonou und Lagos und dann geht es zum Laden wohl diesmal exklusiv nach Antwerpen. Was natürlich schade ist, ein bischen hatte ich schon damit geliebäugelt in Hamburg zu liegen und vielleicht nochmal ein bischen Kram austauschen zu können. Wobei ich so schrecklich viel gar nicht falsch gepackt hab. Die Russisch-Lernsachen sind natürlich ein bischen fürn Arsch. Wir haben zwar einen Ukrainer, aber das ist der 3Ing mit dem hab ich mal gar nichts zu tun. Eiweißpulver hab ich mitgenommen, bei den Fleischmengen die ich hier esse auch ein bischen umsonst, aber der dazugehörige Becher ist ganz nützlich weil groß und verschließbar. -- Und die Frage ist auch ob ich mich zurückhalten könnte einen neuen Laptop zu kaufen, wenn sich denn die Gelegenheit bieten würde. So richtig glücklich bin ich ja mit meiner lahmen Heizung hier nicht mehr. Andererseits, zählt das Argument schon, dass ich ihn nach der Reise ja erstmal nicht mehr brauche, was soll ich also mit einem neuen für die paar Wochen. Egal. Wir sind übrigens vor Afrika, genauer gesagt Sierra Leone, und es ist der 15. Ein Hickhack. Angekommen sind wir heute früh, es hieß mal das wir eventuell bis Montag ankern und jetzt sollen wir irgendwie Nachmittag um 4 reingehen. Schaumermal. Toll ist das alles sowieso nicht, mit anti-piracy watch und so gedöhns. Hier zwar eigentlich unnötig, aber was weiß ich denn. Meine Stiefel fallen auch wieder auseinander. Eigentlich zu erwarten gewesen, aber ich hatte gehofft, dass sie etwas länger halten. Denn jetzt gerade kann ich sie nicht reparieren weil alles verriegelt und verrammelt ist wegens der Afrikaner. Auch wenn ich so aussagen ja nicht so mag, ist das glaube mal wieder ein typischer "Langi". So was total banal und gleichzeitig richtig nerviges. -- Inzwischen ist es Nachmittag am 15. und wir liegen immer noch vor Anker. Blöd wie ich bin bin hab ich natürlich um 12 gefragt was ich tun soll und wurde mit "generell draussen aufpassen" losgeschickt. Nur haben das auch schon ein AB achtern und ein OS vorn gemacht. Whatever. Ich konnte dann dem Bosun den Schlüssel zum Leim abschwatzen und weiter an meinen Stiefeln rumpfuschen. Das wurde dann unterbrochen, weil der Chef sich beim aufwachen überlegt hat doch gleich die Boote mal zu Wasser zu lassen. Also haben wir erstmal Boote gedingst und dabei alle fleissig geschwitzt wie die Ochsen. Der eine Stiefel wurde durch die Unterbrechung natürlich wieder richtig verpfuscht, mal guggn wie lang das jetzt hält. Ich glaub ich behalt den Leim erstmal. Wie gings weiter. Wir waren dann noch im Fernsehraum, wo der Erste tatsächlich mal ein bischen was erzählt hat, was in Afrika so zu beachten ist, die meisten kennen das halt schon deshalb war es nicht sehr ausschweifend. Danach hab ich mich erstmal zum Duschen verzogen und dann weiter Stiefel repariert. Achja und es weiß natürlich keiner, wann das hier weitergeht. Der Chef hat dazu gleich Blood Diamond zitiert: "TIA, this is africa". Hab ich aber glaube nicht mit den Film, doof eigentlich. Hab ich zu Medikamenten schon was gesagt? Es ist natürlich nicht erlaubt als Crewmitglied Medikamente zu haben, die werden deshalb beim Chef gesammelt. Also generell ist es schon erlaubt, nur die Nigerianer machen sich einen Spass draus da Geldstrafen drauf zu geben. Auf Medikamente ohne Packungen oder abgelaufene Medikamente sind die auch ganz heiß, ich konnte also den großteil meiner Reiseapotheke gleich über Bord kippen. Vereinfacht das ganze. Auf abgelaufene Lebensmittel sind die auch ganz heiß, aber da hab ich glaube gar nichts mehr. Mal guggn ob auf Fishermen's friend ein Verfallsdatum draufsteht. Dinge die ich noch vergessen habe: Karteikarten. Da könnte ich mich für hauen, dass ich keine leeren Karteikarten mitgenommen habe. Das ist echt n' bissl bescheuert. Was auch bescheurt ist, ist das ich nur noch eine Tafel Schokolade habe und der Kapt'n seinen Store wohl in der Afrika-Phase nicht mehr aufmachen wird. Doof. Ich hab auch schon angefangen, das Schiffswasser zu trinken um meinen Mineralwasservorrat zu schonen. -- Ich weiß nicht ob das schlau ist, dass folgende zu schreiben. Aber schlau war noch nie meine Stärke und irgendwie ist es halt das was uns hier beschäftigen wird. Das ist nicht so ungefährlich in der Gegend hier, speziell richtung Lagos und Cotonou. Da wurden schon einige Frachter ausgeraubt, speziell vor Anker und beim warten. Dementsprechend gehen wir Anti-Piracy Watch und zwar mit ziemlich hohem Personalansatz und dementsprechend 6on-6off. Zwischen Freetown und wenn wir wieder in nördlicher Richtung hier vorbeikommen wird sich meine Freizeit daher auf schlafen beschränken, kann durchaus sein, dass ich hier dann nicht mehr groß was schreibe.


2014/03/18 17:44