====== Tag 48, 20.05.2007 ====== **98Mi @8.5h** * Nein, ich bin nicht um 7 aufgestanden und um 8 losgefahren. Ich war faul und hab mir erst ein wenig die Gegend angesehen und saß dann vor dem Kamin, auch mal was nettes. Gefrühstückt hab ich dann zusammen mit den Real-Estate Bikern. Für mich gabs, klassisch Amerikanisch, Oatmeal. Das Thema kam natürlich wieder auf meine Radreise und ich wurde eingeladen mich in Missoula zu melden und bei Jeanette & Whalter zu übernachten. * Die Amerikaner haben ja einen sehr schlechten Ruf, was die Ernsthaftigkeit solcher Angebote angeht, ich war also skeptisch. Andererseits war Missoula "gleich um die Ecke" und einem Ruhetag ohne Zelt war ich gar nicht abgeneigt. * Zuerst, jedoch hieß es wieder Radfahren, nachdem ich gegen 11 endlich wieder in Fahrt kam. Das Wetter war verregnet, aber nicht kalt und es fuhr sich gut Fahrrad. * Auf dem Weg lag das "Big Hole Battlefield National Monument" und wieder besseren Wissen bin ich da hingefahren. Dort gab es dann einen gelangweilten Ranger "naja, hier haben halt früher irgendwann mal Soldaten gegen Indianer gekämpft, was wollen sie denn noch wissen?", n' paar Devotionalien und weiter nix. Das Schlachtfeld gabs natürlich auch, aber das sah genau so aus wie der Rest der Gegend, nur mit mehr Fußwegen. Wie hätte es auch sonst aussehen sollen? * Ich hab jedenfalls zugesehen, dass ich weiterkomme, denn das Wetter wurde zunehmend feuchter. Nebenbei durfte ich auch den nächsten Pass hoch fahren, aber im vergleich zu den letzten Tagen war das nichts wildes. {{:reiseblog:2007_usa:dias:dia_usa_153.jpg|}}\\ //Ich glaub, das war die letzte überquerung meiner geliebten CD// * Nach dem Pass ging es fast nur noch Bergab, die ersten 15 Meilen Steil runter auf 4000ft und dann locker weiter bis 3200. Also alles easy? **Falsch** * Denn auf der anderen Seite des Passes hat mir eine Riesengrosse Wolke aufgelauert und von jetzt auf gleich wurde es richtig kalt und richtig nass. Zusammen mit dem Fahrtwind und mangels Bewegung war ich in wenigen Minuten ausgekühlt und hab nur noch darauf gewartet, dass der Scheiss-Berg endlich aufhört. Hat er irgendwan, aber besser wurde es auch dort nicht. Die Temperatur war inzwischen im unteren einstelligen Bereich und zusammen mit Nässe und Wind nicht mehr angenehm. * Um genau zu sein wurde das ganze zunehmend unlustig und ich hatte einige Mühe zitternderweise nicht auf die Nase zu fallen. Beim ersten Anzeichen von Zivilisation, einer Tankstelle, bin ich gleich angehalten und stand dort erst einmal 10 Minuten mit den Händen unter den Achseln rum, bevor ich wieder genug gefühl in den Händen hatte um etwas zu essen. Nachdem ich mich halbwegs aufgewärmt hatte bin ich weiter und es wurde auch langsam wieder besser. Nur geregnet hat es nach wie vor, teilweise richtig bösartig. * Weil ich natürlich die Hoffnung hatte, dass die Wolke irgendwo aufhört bin ich fleissig weiter gefahren, auch an einigen Zeltmöglichkeiten vorbei und kam letztendlich in "Hamilton" an. Dort gab es einen RV-Park, manchmal kann man auf solchen auch Zelten, aber gerade auf diesem nicht. Worüber ich allerdings nicht böse war, sagt jemandem "Trailer Trash" etwas? * Ich bin also in den Ort hinein und in das zweitbeste billig aussehende Motel. Dort gab es Mikrowellenessen, Kabelfernsehen und alles was mir sonst noch im Einkaufsladen über den Weg gelaufen war (Muffins, Chips..). ====== Tag 49, 21.05.2007 ====== **55Mi oder ähnlich** * Gegen 8 ging es langsam los. Die Dame in der Rezeption kam aus der Nähe von Frankfurt (am Main, nicht das in Kentucky), wir hatten also erst einmal was zu erzählen. * Dann gings los. Und zwar **kalt**. Ich war gut angezogen, aber bei um die 0°C und Nässe hat das nicht viel geholfen. Als es dann noch angefangen hat zu schneien war ganz aus. * Die erste Tankstelle kam nach 20 Meilen, dort hab ich erst einmal versucht meine Finger unter fliessendem Wasser aufzutauen, mit mäßigem Erfolg. Einen Schokorigel zu essen wurde zur Knochenarbeit, weil ich die Verpackung nicht aufbekam.. Zum weiterfahren hatte ich drei lagen an den Händen - lange Handschuhe, Gummihandschuhe und die kurzen. Wirklich geholfen hat es nicht. Irgendwie hab ich mich weitergearbeitet, was auch sonst? Ich hätte es vorher nicht geglaubt, aber mit haben trotz Knie- und Beinlingen die Beine gezittert. Während des Radfahrens! * Wieauchimmer, auch jene Wetterfront war irgendwo zuende. Mit der Zeit wurde es etwas wärmer, der Schnee wurde wieder zu Regen und noch später gab es sogar Pausen im Regen. * Streckenmäßig näherte ich mich langsam Missoula und dementsprechend nahm der Verkehr immer mehr zu. Von der Landschaft gab es dabei nicht viel zu sehen, nur tiefhängende Wolken. * Gegen Nachmittag war ich dann in Missoula, um genau zu sein im Hauptquartier der "Adventure Cycling Association". Das sind die Jungs & Mädels, bzw. die ideologischen Nachfolger der Jungs & Mädels die sich meine Strecke damals 1976 ausgedacht haben. <file> Wie, was, Strecke, 1976 ? Im Jahre 1976 feierte Amerika seine Zweihundertjahrfeier, übersetzt bicentennial. Irgendjemand kam dann auf die Idee daraus bikecentennial zu machen um zur Feier des Jahres tausende von Leuten zu motivieren quer durch die USA zu radeln. Diese tolle Idee, kombiniert mit der großen Begeisterungsfähigkeit des durchschnittsamerikaners ist abgehoben wie eine Rakete, das ist jedoch nicht meine Geschichte, das Internet weiß da sicher mehr drüber. Weil das jedenfalls alle so toll fanden wollte man nicht, dass die Tour völlig in Vergessenheit gerät und hat die Adventure Cycling Association gegründet um sie (die Tour) zu erhalten. </file> * Und da war ich jetzt, wurde für die Photowand abgelichtet, durfte erzählen wie es mir so erging und hab mit den Leuten dort erzählt. Und mir "wasserdichte" Socken gekauft, damit mir beim näcshten Wettereinbruch zumindest die Füße nicht wieder einfrieren. Und das T-Shirt, sowie das Jersey hab ich natürlich auch gekauft. * Gegen Abend hab ich dann Jeanette (siehe Tag 47&48) ans Telefon bekommen und wurde von Walther abgeholt. Mit einem Pickup und einem "200$"-GolfII, den er als Spritsparauto hatte. So sind wir dann an den AdW gefahren, er mit Pickup und Fahrrad, ich im Golf wo die beiden recht exklusiv am Waldrand lebten. {{:reiseblog:2007_usa:mobile:usa_mobile_063.jpg|}}\\ * Dort traf ich neben Jeanette auch ihre Tochter Melissa und wir haben zusammen gegessen und viel erzählt. In vielerlei hinsicht waren meine Gastgeber eher "unamerikanisch", keine Waffe im Haus, einen Gemüsegarten (extra Meterhoch eingezäunt, damit die Rehe und Bären was übrig lassen) und wir haben uns über Politik weit jenseits des üblichen "wir sind Amerika, die andern sind doof" unterhalten. ====== Tag 50, 21.05.2007 ====== * Tag 50 war (endlich mal wieder) ein Ferientag. Schon das Frühstück fing gut an - es gab Porridge mit selbgemachtem Ahornsirup, Rosinen und Craisins (getrockneten Cranberrys). * Dann hab ich wieder den Schlüssel vom Golf bekommen, mit der Einweisung "Wenn er stehen bleibt, lass ihn einfach stehen", und bin nach Missoula gefahren. Stadtbummeln, Diafilme kaufen, Tagebuch schreiben, solche Sachen. Gegessen hab ich bei einem Mexikaner. Extrem gut und für insgesamt 10$. Ein unamerikanischer Preis. * Am Nachmittag wollte ich eigentlich ins History Museum Fort Missoula, aber auf dem (Fuss-)Weg dahin kam ich an einem Fast-Food Restaurant vorbei vor dem zwei beladene Räder standen. Eins davon die Cross-Variante meines Rennrades. Da konnte ich natürlich nicht vorbei gehen, sondern habe mich über eine Stunde mit dem dazugehörigen Pärchen unterhalten. The way things go.. * Damit hatte sich das Fort erledigt, da ich auch noch "Portico Real Estate" besuchen wollte. Dort wiederum traf ich dann die Radfahrerinnengruppe von Tag 47 wieder und wurde nebenbei noch von Jessica zum Barbeque eingeladen. Zuvor jedoch ging der Tag erst einmal unamerikanisch weiter, denn ich war mit Jeanette in Läden für frisches und Gesundes Essen, wahrlich unglaublich. * Das soll aber auch für einen groben Überblick reichen, das soll ja ein **Reise**bericht sein und keine Ferienerzählung. Nur vielleicht noch zwei Worte zum Barbeque, denn neben Haufenweise Leuten gab es dort selbstgeschossenes Antilope Steak. Edel! Da würd ich meinen Holzkohlegrill gerne für eintauschen.