====== Tag 42, 14.05.2007 ====== **69Mi @7h** * Es war nach wie vor recht kühl, im Schlafsack ging das alles aber nach dem Aufstehen musste ich entweder hektik machen um nicht zu sehr auszukühlen oder mich warm anziehen nur um den kram vor dem losfahren wieder auszuziehen. Probleme die man so hat.. * Die Temperatur wurde uninteressant sobald ich auf dem Rad war und warm wurde. Die Tatsache, dass der Wind über Nacht gedreht hatte nicht. Ich hatte jetzt N/NW-Wind und dreimal darf der geneigte Leser raten in welche Richtung ich unterwegs war. Daher die popeligen Tagesmeilen, die nächste Übernachtungsmöglichkeit war bei 130Mi und das war bei dem Wind und der Sache mit dem Gebirge um mich herum unrealistisch. Die Landschaft war richtig toll, zunächst noch etwas eintönig\\ {{:reiseblog:2007_usa:mobile:usa_mobile_040.jpg|}}\\ wurde aber immer besser\\ {{:reiseblog:2007_usa:mobile:usa_mobile_045.jpg|}}\\ {{:reiseblog:2007_usa:mobile:usa_mobile_047.jpg|}}\\ "western style" * Mein Zeltplatz war auch sehr angenehm. Ein bischen ausserhalb einer kleineren Stadt, von einer lieben Oma verwaltet. Die hatte natürlich einiges zu erzählen. Einen See gab es in der Nähe auch, aber es war viel zu windig und kalt um an baden zu denken. Im Gegenteil, ich hab sogar im Zelt gekocht weil es draussen zu kalt war. ====== Tag 43, 15.05.2007 ====== **112Mi @11h** * Während ich um 0645 gerade mit dem aufstehen haderte kam die gestern erwähnte Oma vorbei um mir dass von mir bestellte Brot zu bringen. Die hatte tatsächlich gedacht ich will um 7 los. Damit ist gezeigt - ich gehöre eher zu den Warmduschern unter den Amerika-durchquerern, HA! Bei meiner nächsten Tour gibt es also keine Ausreden mehr nicht mitfahren zu wollen. * Meine Beine wahren nicht gut. Aber dafür hatte der Wind deutlich abgeschwächt. Und die Landschaft war wieder sehr schön - Hochplateau mit Bergzügen und vielen Flüssen und Bächen. Nicht der Grand Canyon, aber trotzdem das von mir so favorisierte "Western-feeling" {{:reiseblog:u2007_usa:dias:dia_usa_107.jpg|}}\\ {{:reiseblog:2007_usa:dias:dia_usa_108.jpg|}}\\ {{:reiseblog:2007_usa:dias:dia_usa_109.jpg|}}\\ //Ich nehm alles negative über Wyoming zurück// * Die lange Fahrzeit kommt dabei nicht nur von der Warmduscher - Sache, sondern auch weil ich mal wieder fleissig flicken durfte. "Kevlar-Verstärkte-bla-Reifen" my Ass ("my Ass" umgangssprachlich, gemäß dict.leo.org "So'n Quatsch"). Das ich flicken durfte war mittlerweile nicht mehr neu, ich erwähne das nur weil diesmal tatsächlich jemand angehalten hat um zu fragen ob ich Hilfe brauche. Das war ein Novum und ist - ''Glaskugel'' - auch nicht wieder vorgekommen. * Ich bin auch durch mein erstes Indianer-Reservat gefahren. Das hat sich sehr seltsam angefühlt - dass ich mit niemanden ins Gespräch gekommen bin hätte man noch unter "whatever" abbuchen können, aber die Jungs und Mädels haben mich nicht einmal angeschaut. Naja, jedem das seine. * der 15. war ja bekanntlich ein Dienstag und wäre daher ein guter Kandidat für ein Motel gewesen (Dienstag, heißt House M.D. auf Fox), aber Dubois, die Stadt mit Motel, kam schon nach 65 Meilen und das war mir zu wenig. Stattdessen bin ich weiter den "Wind River" flussaufwärts gefahren. * Das war eine Art Bauernfalle: der Name "Wind River" machte unterhalb von Dubois überhaupt keinen Sinn. Nachdem man jedoch das Örtchen hinter sich gelassen hatte fühlte man sich als würde man in einen Windkanal fahren. Das war nicht lustig und die Tatsache das es zusätzlich bergauf ging hat natürlich nicht geholfen. * Wie ich mich durch das Tal quälte kam ich an eine größere Baustelle in der die Stasse runderneuert wurde. Ich hab den Aufriss nicht ganz verstanden, aber nach ein wenig rumfunkerei wurde mein Fahrrad auf einen Flatbed Truck verladen (gar nicht so einfach, wer glaubt denn schon, dass so ein Rad mal eben 100 Kilo wiegt) und ich durch die Baustelle durchgefahren "cause they don't stop for nothing". ''Wer sind "they", und warum stört es mich wenn sie nicht anhalten?''. Mit der Zeit habe ich mir dann zusammengereimt, dass mit "they" LKW gemeint waren die Schutt und Geröll bergabwärts transportiert haben und die sind da tatsächlich mit unlustigen Geschwindigkeiten durch die Baustelle gerast. * Nach dieser kurzen Erholung ging die Quälerei weiter. Kurz vor dem Gipfel gab es einen NFS (National Forest Service) Campingplatz, aber da lag noch Schnee und ich hatte gar keine Lust früh als erstes auf den Pass hoch und dann runter zu fahren. Also ging es weiter, auch wenn es mir gar nicht mehr richtig gut ging. * "Auch wenn es mir gar nicht mehr richtig gut ging". Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen ohne noch eine bessere Ausrede zu bringen, also gibt es wieder Zahlen. Denn neben der Sache mit dem Wind bin ich von 5200ft auf die 9658ft des Togwotee Pass gefahren. Nicht schlecht für einen warmduschenden Spätaufsteher. {{:reiseblog:2007_usa:dias:dia_usa_110.jpg|}}\\ * Die Überquerung des Togwotee Pass war nebenbei auch die nächste überquerung der Continental Divide ''What the hell?'', aber ich war zu platt mich darüber aufzuregen. {{:reiseblog:2007_usa:dias:dia_usa_112.jpg|}}\\ * Nach dem Pass war der Ernst des Tages vorbei und ich konnte ins Tal ausrollen um mich dort auf einem weiteren NFS Campingplatz niederzulassen. Dort gab es zwar keine Duschen, aber dafür Bear Boxes. <file> Was sind Bear Boxes? Bear Boxes sollen keine Bären aufbewahren, sondern alles was der Bär riechen könnte. Also wie schon erwähnt Lebensmittel, Kosmetika und alles was je damit in Berührung gekommen ist. In meinem Fall also nahezu alles was ich dabei hatte. </file> {{:reiseblog:2007_usa:dias:dia_usa_114.jpg|}}\\ //Langis Nachtlager mit Feuer aus Restholz und Bear Box// {{:reiseblog:2007_usa:dias:dia_usa_113.jpg|}}\\ //Auch wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, so einen Tisch bekomme ich locker voll// * Zum Abendessen gab es Nudeln kombiniert mit einer Dose "Chicken a la King". Mit Parmesan eine ware Delikatesse! ====== Tag 44, 16.05.2007 ====== **98Mi @11h** * Und wieder gegen 0700 aufgewacht. Im Schatten waren es knapp unter Null grad. Das wurde als ausreichend empfunden also ging es los. Und ich hatte gar keine Beine. Zum Glück ging es zu Beginn viel bergab un der "Grand Teton National Park" war eine gute Ablenkung. Und weit sollte es ja auch nicht gehen. {{:reiseblog:2007_usa:dias:dia_usa_116.jpg|}} * Denn das eigentliche Tagesziel war der "Yellowstone National Park", und der war schon nach 40 Meilen radeln erreicht. Und kaum angekommen durfte ich mir eine kalte Dusche abgeholen, denn fast alle Campingplätze im Park waren noch zu. Bis auf zwei - "Mammoth Cave Campground", am Nordende des Parks und von mir aus gesehen sonstwo und "Madison Junction Campground", immer noch 60 Meilen entfernt.. aua. Aber hey - you gotta do what you gotta do - also ging es weiter. Und wie. Eigentlich hätte ich alle drei Minuten für ein Photo anhalten können. Hab ich zum Glück nicht gemacht, denn irgendwie fangen die Bilder den Park nicht wirlich gut ein. {{:reiseblog:2007_usa:dias:dia_usa_119.jpg|}} {{:reiseblog:2007_usa:dias:dia_usa_121.jpg|}} {{:reiseblog:2007_usa:dias:dia_usa_123.jpg|}} * Auf und ab ging es natürlich auch und der Running Gag mit der Continental Divide ging in die nächste Etappe über, denn hier durfte ich sie gleich dreimal hintereinander Überqueren. Wtf? {{:reiseblog:2007_usa:mobile:usa_mobile_059.jpg|}}\\ * Albern oder nicht drei Pässe heißt drei mal hart arbeiten, ich habe daher darüber nachgedacht in "Old Faithful" (benannt nach dem Geysir) ein Hotelzimmer zu nehmen, aber dort war Touri-Country, also hab ich gesehen das ich Land gewinne und mich verzogen. * Viele Tiere gab es: Wölfe, Elche, Bison.. Und bei jeder größeren Gruppe (Herde?) gab es gleich ein mittelgroßes Verkehrschaos, weil die Touris ja anhalten und photographieren mussten. Mit der Zeit wurde das albern. * Albern war bisweilen auch mein geradele. 1.Gang Bergauf, 14.Gang Bergab, 1.Gang Bergauf, 14.Gang Bergab, 2.Gang geradeaus. Lather, rinse and repeat. * Irgendwann kam ich natürlich trotzdem im Madison Junction Campground an. Der war riesig. Und voll. Das lag daran, dass die Zeltplätze alle feste "Öffnungszeiten" haben und der Staat (das Ding heißt nicht nur zu Werbezwecken Nationalpark) kann natürlich nicht einfach Zeltplätze aufmachen nur weil der Sommer mal früher anfängt als sonst. Bei den Hotels lief das übringens Analog, aber das hat mich natürlich weniger gestört. * Und so richtig gestört hat mich die Überfüllung des Zeltplatzes auch nicht. Denn ich wurde auf der Hiker/Biker Ecke einquartiert, die etwas Abseits am Rand des Platzes lag. Nix dolles, kaum Grass, keine Duschen.. der ganze Zeltplatz wirkte einfach lieblos. Aber hey, bei 7$ die Nacht hatte ich auch nix zum Beschweren. * Natürlich ging hier auch die Story mit den pelzigen Allesfressern weiter. Denn im Yellowstone gibts nicht einfach nur Bären sondern **Grizzlys**. Und die sind noch schlimmer. //Schlimmer als frist-alles-was-irgendwie-riecht? Wie geht das denn?// Und um mir erst richtig die Nacht zu versauen haben mir die Park Rangers erzählt, dass gerade 2/3 Tage vorher eines jender Tierchen die Hiker/Biker Ecke besucht hatte. **Klasse! Das hab ich gebraucht!**